
Zeit für andere – Zeit für uns
Geschichte
Seit 1994 habe ich – Moussa Sullaiman – mich immer wieder für soziale Aufgaben und die Menschenrechte aktiv eingesetzt, gemeinsam mit verschiedenen lokalen und internationalen Organisationen, darunter der Fédération Internationale des Ligues des Droits de l'Homme / FIDH und Droits Humains.
Schon meiner früheren Heimat habe ich mich seit meinem 16. Lebensjahr für soziale Aufgaben und Projekte engagiert.
Über meinem Einsatz für die Demokratisierung und Liberalisierung des Nahen Ostens vergingen die Jahren – bis zu meiner Ausreise in Richtung Ukraine und Russland.
Dieses bleibt eine der schwierigsten Aufgaben unserer Zeit, da eine Gesellschaft, deren Alltag und Kultur stark von der Religion geprägt werden, deren Bild von der Geschichte vielfältigen Manipulationen unterliegt, einen Identitätskomplex entwickelt, der sich nur in Laufe von Jahrzehnten verändern und heilen lässt.

Es begann von neuem, damals in einer weißen Nacht im Winter 1993, in einem kleinen Lokal nicht weit vom Roten Platz, als ich ein Auto kaufen wollte:
Dort traf ich Tatiana, die hübsche Russin.
Manchmal verläuft alles ohne Plan, manchmal fängt alles neu an: die Geschichte, der Beginn der Kulturen, das Leben - so einfach in einem unerwarteten Moment.
Wir beide machten eine Rundreise durch Russland. Es waren für mich neue Entdeckungen, die mein weiteres Leben prägten; eine Welt, die ich immer vermissen werde: mein Russland des Jahres 1993.
Wir gaben all unser Geld – sie ihre Rücklagen für ihr Studium, ich meine Reisekasse und mein Startkapital –, kauften damit Geschenke für Kinder und verteilten sie überall dort, wohin wir reisten.
Immer wenn Tatiana einem Kind ein Geschenk gab, strahlte sie von innen und für mich waren diese Momente der Anfang eines neuen Traums - ein Traum, der sich verwirklichen muss.
Tatiana und ihre umfassende Liebe zu den Kindern dieser Welt ist für mich ist ein untrennbares Bild.
Später verkaufen wir das Auto; teilten nach einigen Wochen die letzten 100 Dollar und gingen jeder unseren Weg. Wir versprachen einander, uns wiederzusehen.
Wir wussten nun beide: das Leben mehr ist als ein Geschäft.

Es begann abermals, im Frühjahr 1994 vor dem Bahnhof in Dessau:
Ich stehe ohne Geld da, meine Welt bricht zusammen, der Lärm lässt mich verstummen.
Ein alter Mann kommt auf mich zu, spricht mich auf Russisch an, will mir einen Fünfzigmarkschein zustecken.
Ich lehne ab, der Lärm steigt mir zu Kopf, der alte Mann besteht darauf, das ich das Geld annehme.
Nach langem Zögern akzeptiere ich, um eine Fahrkarte nach Bonn zu kaufen.
Jahre vergehen, in denen ich viel erlebe und vergesse – nicht aber das Lokal am Roten Platz und den Mann in Dessau.
Ich wusste noch nicht, dass mich die schöne Russin in andere Welten geführt, mir der alte Mann eine lebenslange Verpflichtung auferlegt hatte.
Das Leben lehrte mich:
Der Mensch ist ein soziales Wesen.
Sobald man dies vergisst, jeder nur für sich, keiner sich um den anderen sorgt, geht die Basis für ein konstruktives Zusammenleben von Menschen und Kulturen verloren.